Das Programm steht: Das 38. Filmfest Dresden öffnet Räume und zeigt Arbeitswelten im Wandel

Dana -
Kampagnenmotiv 2026 © FILMFEST DRESDEN
Kampagnenmotiv 2026 © FILMFEST DRESDEN

380 Filme aus 60 Ländern

Mit über 380 Kurzfilmen aus 60 Ländern und einem vielfältigen Rahmenprogramm präsentiert das 38. Filmfest Dresden vom 14. bis 19. April erneut eine beeindruckende Werkschau der internationalen Kurzfilmszene in der sächsischen Landeshauptstadt. Unter dem Themenschwerpunkt „Work in Progress“ knüpft das Festival an den Solidaritätsfokus des Vorjahres an und richtet den Blick auf die Arbeitswelt: Diverse Beiträge und Programmpunkte beleuchten Machtstrukturen, hinterfragen Bedingungen und zeigen, welche Rolle Arbeit für gesellschaftliche Teilhabe und demokratische Mitwirkung spielt. So schafft das Filmfest Dresden einmal mehr Räume für Austausch, Perspektivvielfalt und respektvollen Dialog. Trotz dieses umfangreichen Programms ist das Festival erneut von Kürzungen betroffen.

Kürzungen: Inklusive Programm gestrichen

Festivalleiterin Anne Gaschütz: „Die Haushaltssperre der Stadt Dresden führt zu einer Reduktion unserer Mittel um 10 %. Noch schwerer wiegt für uns jedoch, dass wir 2026 keine inklusiven Programme anbieten können, da entsprechende Förderungen ausgeblieben sind. Nach über zehn Jahren kontinuierlicher Arbeit in diesem Bereich müssen wir dieses Angebot vorerst einstellen – ein Schritt, der uns sehr schwerfällt und den wir als deutliches Signal der aktuellen kulturpolitischen Lage verstehen.

Grundsätzlich stehen wir vor der Herausforderung, dass bei sinkender Förderung gleichzeitig die Kosten kontinuierlich steigen. Dass das Festival dennoch in nahezu gewohntem Umfang stattfinden kann, ist dem außergewöhnlichen Engagement unseres Teams zu verdanken - ein Zustand, der auf Dauer nicht tragfähig ist.

Gerade in Zeiten globaler Krisen und Kriege, wachsender gesellschaftlicher Spannungen und zunehmender Fremdenfeindlichkeit braucht es Orte wie das FILMFEST DRESDEN mehr denn je: Räume, die Begegnung ermöglichen, unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen und Widerspruch aushalten. Räume, in denen demokratische Werte nicht abstrakt bleiben, sondern konkret gelebt werden. Wenn diese Räume unter Druck geraten, betrifft das nicht nur die Kultur – sondern unsere Gesellschaft als Ganzes.“

Im Mittelpunkt des facettenreichen Programms steht traditionell der internationalenationale und mitteldeutsche Wettbewerb. Insgesamt 65 Beiträge aus 36 Ländern konkurrieren hier um 17 Auszeichnungen mit einer Gesamtpreissumme von 72.500 Euro. Erstmals zählt auch Lumatic Animation & VFX zu den Preisstiftern und stiftet gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Animationsfilm (DIAF) den Goldenen Reiter für den Animationsfilm im Nationalen Wettbewerb. Am feierlichen Preisverleihungsabend, Samstag, den 18. April, vergeben acht unabhängige Jurys insgesamt 14 Auszeichnungen, ergänzt durch drei Publikumspreise. Ergänzt werden die Filmvorführungen durch ein vielseitiges Rahmenprogramm mit Panels, einer Masterclass und Events für Fachbesucher:innen und Filminteressierte.

Der Ticketverkauf ist gestartet

Das Filmfest findet in 19 Dresdner Festival-Locations statt, darunter die angestammten Spielstätten Filmtheater Schauburg, Thalia Cinema. Coffee and Cycling, Programmkino Ost und erstmals auch das Astoria Dresden. Das kostenfreie Kurzfilm-Open-Air 2026 auf dem Schloßplatz wird mit freundlicher Unterstützung von Veranstaltungstechnik schickschön GmbH, dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) und der Landeshauptstadt Dresden ermöglicht. Große Unterstützung und langjähriges Engagement leisten außerdem wieder die Filmnächte am Elbufer als Festivalpartner. Tickets sind ab sofort erhältlich, erste Einblicke bietet die traditionelle Programm-Preview am 9. April 2026 um 19 Uhr im Thalia Kino.

Highlights aus dem Filmprogramm: „Work in Progress“, 90 Years of African Animation, Tribut: Jyoti Mistry & Astoria Musikfilmnacht

Der Themen-Schwerpunkt „Work in Progress“ zieht sich durch viele Beiträge und Programmpunkte in diesem Jahr, allen voran die hierzu kuratierten vier Schwerpunktprogramme: So gewährt „Schwerpunkt 1: …What a Way to Make a Living!“ Einblicke in typische Arbeitstage aus der Perspektive von Frauen, während „Schwerpunkt 2: What Remains of Gestures“ die Spuren der Arbeits-Ausbeutung beleuchtet. Die Beiträge in „Schwerpunkt 3: Cloud Nine to Five“ befassen sich mit dem Wandel der Arbeitswelt durch Digitalisierung, KI und Globalisierung und „Schwerpunkt 4: Zwischen Welten“ betrachtet das Thema Arbeit in Verbindung mit Heimat. 

Das Programm „Retrospektive: Orte der Arbeit“, entstanden in Zusammenarbeit mit der Filmgalerie Phase IV und dem ZfBK - Zentrum für Baukultur Sachsen, nimmt die Zuschauer:innen mit auf eine filmische Reise, die ein Augenmerk auf Baukultur und Orte der Arbeit legt und von westdeutschen Supermärkten über die proletarische DDR-Provinz in die Weiten Europas führt.

Neben der 20. Ausgabe des Fokus Québec gibt es noch ein weiteres Jubiläum zu feiern: „Animated: 90 Years of African Animation“ begibt sich auf eine Reise durch die lebendigen Geschichten, die kühne Kreativität und die spirituellen Imaginationen des Kontinents. Kuratiert wurde die vielfältige Werkschau von Dr. Mohamed Ghazala, einem preisgekrönten ägyptischen Animationsfilmschaffenden und Wissenschaftler, der sich mit Animationskulturen in der arabischen und afrikanischen Welt beschäftigt.

Das Tribut ist in diesem Jahr der Südafrikanerin Jyoti Mistry gewidmet, deren Filme sich an der Schnittstelle von Kunst, Kino und Forschung bewegen. Die gezeigten Werke setzen historisches Filmmaterial in neue Kontexte, die Machtverhältnisse sichtbar machen, Neugier einfordern und die Grenzen des Nichtverstehens als produktiven Raum öffnen. Im Rahmen einer Masterclass am Festivalsamstag gibt die Künstlerin Einblick in ihre Arbeit und lädt zum Dialog ein.

Der Realität mit Humor begegnen möchte das Programm „Europa ist kein Witz – oder doch?“ mit einer Auswahl an Klassikern und neuen Entdeckungen, die sich zwischen Europas Vergangenheit und Gegenwart bewegen. 

Mit einer Premiere widmet die erste „ASTORIA Musikfilmnacht“ das Programm „Youtube killed the Videostar“, das das Zusammenspiel von Musik und Video auf der großen Leinwand zelebriert. Gezeigt werden Klassiker, Stars von morgen und verbindet lokale und internationale (Musik-)Videokunst. In Kooperation mit Festivalpartner Filmnächte am Elbufer.

Beim beliebten Kurzfilmbingo am Donnerstagabend (18 Uhr, Groovestation) darf das Publikum mitmachen: Die Gäste erwartet eine vielfältige Auswahl aus 3.800 Einreichungen – von Filmen über Filme, Pferde, Fußball und jede Menge Liebe. Ein unterhaltsamer Abend voller Überraschungen und guter Laune, moderiert von Falk Töpfer.

Rahmenprogramm: Erzählcafé Kittelschürze, Ausstellung & Talks rund um Machtstrukturen, Teilhabe und sichere Arbeitsplätze, Festivalparty

Neben dem Filmprogramm bietet die Festivalwoche mit etc. - events.trainings.connections. erneut ein breitgefächertes Rahmenprogramm mit Panels, einer Masterclass und Events, die sich an Fachbesucher:innen sowie ein interessiertes Publikum richten. Das Festival dankt dem neuen Branchen-Partner der Rechtsanwaltssozietät Spirit Legal für die Unterstützung.

Mit einem besonderen Format knüpft das „Erzählcafé: Arbeitskleid Kittelschürze“ an den diesjährigen Schwerpunkt zum Thema Arbeit an: Im Café des Stadtmuseum Dresden können Festivalbesucher:innen und Interessierte ihre eigenen Geschichten zur Kittelschürze - dem Sinnbild für Erwerbs- und Sorgearbeit - teilen. 

Die Gesprächsrunde „Safer Working Spaces“ stellt lokale Initiativen und überregionale Akteur:innen vor, die sich durch ihr Engagement für eine stetige Verbesserung der Arbeitsbedingungen vor Ort sowie für inklusivere Arbeitskontexte allgemein einsetzen. In englischer Sprache.

Die „Diskussion: What’s the Point of Access?“ befasst sich mit der Frage, wie entscheidend der Einstieg in die Filmindustrie für Teilhabe ist, denn nur wer Zugang hat, kann Perspektiven und Themen sichtbar machen. Akteur:innen und Initiativen sprechen über Herausforderungen und Chancen dieses Zugangs. In englischer Sprache.

Das Ausstellungs- und Filmprogramm „The Currency Lab - Recht und Ordnung” im geh8 setzt sich auf vielschichtige Weise mit gesellschaftlichen Ordnungssystemen, Ideologien und Machtverhältnissen auseinander und wird dabei durch drei thematische Filmprogramme ergänzt.

Nach einer intensiven Kinowoche wird am Samstagabend nach der Preisverleihung weitergefeiert: DRAG Fever is back! Bei der „YOU BETTER WERK! - Festival Drag Party“ in der GrooveStation sind alle eingeladen, die Tanzfläche zu erobern – am besten im spektakulären Look. Dresdens eigenes SLAY-Netzwerk bringt die Bühne zum Beben, während die beiden DJs Marmede (Berlin) und Joplin (Dresden) mit mitreißenden Beats für die perfekte Partynacht sorgen.

Kinoerlebnisse für ein junges Publikum: Das Kinder- und Jugendprogramm

Auch die 38. Festival-Ausgabe lädt junge Filmfans wieder zum Kinder- und Jugendprogramm mit frischen Kurzfilmen und besonderen Kinoerlebnissen für Kinder, Teens und Schulklassen ein. Fünf altersgerechte Programme (ab 5 Jahren) eröffnen während der Festivalwoche spannende Einblicke in die Welt des Kurzfilms. Ob witzig, abenteuerlich oder nachdenklich – die ausgewählten Werke erzählen Geschichten, die bewegen und zum Austausch anregen. Im Anschluss an die Vorführungen haben die Zuschauer:innen die Möglichkeit, Fragen an die Filmemacher:innen zu stellen und mehr über die gezeigten Filme zu erfahren. Alle Programme sind auch als Gruppenvorführungen buchbar.

Zusammengestellt wurde die Auswahl erneut in Zusammenarbeit mit dem Jungen Kuratorium des Filmfest Dresden – einer Gruppe junger Filmbegeisterter aus Dresden und Umgebung.

Im trickreichen Workshop „Wunder, Wandel, Zeichentrick“ zeigen Antje Heyn und Alexander Isert vom Animationsfilmstudio Protoplanet Studio den teilnehmenden Schüler:innen und Schulklassen, wie Zeichnungen lebendig werden und sich verwandeln können. Antje Heyn und Alexander Isert bereichern mit ihren originellen und fantasievollen Animationsfilmen seit über 15 Jahren das Filmfest Dresden. Angefangen mit dem preisgekrönten LUMO (Goldener Reiter für den Besten Animationsfilm 2010) bis zur diesjährigen Ausgabe mit VOR MEINER TÜR AUF EINER MATTE (Kids-1-Programm).

Der langjährige Kooperationspartner Trickfilmschule Fantasia präsentiert in der Kids Spezial Werkschau die Workshop-Ergebnisse.

Quelle: FILMFEST DRESDEN