Ein öffentliches Kulturprojekt der Jüdischen Kultusgemeinde Dresden über Schrift, Erinnerung und das Zusammenleben
In einer Zeit, in der religiöse, kulturelle und gesellschaftliche Gewissheiten weltweit ins Wanken geraten, setzt die Jüdische Kultusgemeinde Dresden ein bemerkenswertes Zeichen: Am 21. August 2025 beginnt mit „Die ewige Schrift – Eine Torah für Dresden“ ein Projekt, das zugleich spirituell, bildungspolitisch und gesellschaftlich ist – und das in dieser Form europaweit bislang ohne Vorbild ist.
Im Zentrum steht ein in jeder Hinsicht außergewöhnlicher Vorgang: Der vollständige Schreibprozess einer Sefer Torah – der handgeschriebenen Rolle der fünf Bücher Mose – wird öffentlich sichtbar gemacht. Auf dem Vorplatz des Stadtmuseums Dresden entsteht in einem eigens konzipierten, gläsernen Schreibpavillon über 18 Monate hinweg ein Werk, das in jüdischer Tradition als heilig gilt – und nun zum Anlass für Austausch, Lernen und gemeinsame Erfahrung wird. Hier schreibt ein Sofer Stam – ein ausgebildeter Schreiber heiliger Texte – auf koscherem Pergament nach den überlieferten Regeln der Halacha, Buchstabe für Buchstabe, in höchster Präzision und mit tiefer geistiger Konzentration. Ein Akt, der sonst im Verborgenen geschieht, wird so zum kulturellen Ereignis, das die Stadtgesellschaft mit einbezieht – als Zeugin, Fragende, Teilhabende.
Schrift als Kulturtechnik – und als Brücke
Dieses Projekt versteht sich nicht als bloße rituelle Zeremonie, sondern als weitreichendes Kulturvorhaben. „Die ewige Schrift“ fragt nach der Bedeutung der Schrift selbst – als älteste Kulturtechnik der Menschheit. Schreiben, das wird hier sichtbar, ist nicht nur die Produktion von Text, sondern die Ordnung von Welt, der Versuch, das Göttliche, das Soziale, das Wissbare zu fassen.
In Dresden, der Stadt der Bücher, der Archive, der Museumsräume, wird diese Praxis zum Anlass für einen öffentlichen Bildungsraum: Begleitende Ausstellungen, Schulprogramme, Vorträge, Gesprächsreihen und interaktive Formate binden die Öffentlichkeit ein – von Schulklassen über Kulturschaffende bis hin zu interessierten Passantinnen und Passanten. Zugleich wird die Torah als ethisches und symbolisches Dokument ins Zentrum gerückt: ein Text, der über Jahrtausende hinweg europäische, jüdische und interkulturelle Diskurse geprägt hat – und heute neu gelesen werden kann als Anstoß für Toleranz, Demokratie und kulturelles Gedächtnis.
Ein Fenster zur Geschichte – und in die Gegenwart
Die Architektur des Pavillons selbst steht dabei sinnbildlich für das Anliegen: Eine große Schaufensterverglasung erlaubt jederzeit Einblick in den Schreibprozess. Was früher im Inneren der Synagoge stattfand, wird nun im Zentrum der Stadt sichtbar. Begleitet wird der Prozess durch Live-Übertragungen, Führungen und Gespräche.
Der erste Buchstabe wird am 21. August 2025 im Rathaus Dresden geschrieben – in einem Akt, der symbolisch und real zugleich ist: Das Rathaus, Ort städtischer Selbstverwaltung, wird zur Schwelle eines transkulturellen Projekts. Am selben Abend wird der Schreibpavillon feierlich eröffnet.
Religion als Teil der Stadtgesellschaft
Für die Jüdische Kultusgemeinde Dresden ist das Projekt mehr als ein symbolischer Akt. Es ist ein öffentliches Bekenntnis zur Sichtbarkeit jüdischen Lebens in der Stadt – nicht als Folklore oder Rückblick, sondern als gegenwärtige, zukunftsgerichtete Praxis.
„Die ewige Schrift“ versteht sich in drei Dimensionen:
als Kulturprojekt, das die Torah in den Kontext der Schriftkultur und des Weltkulturerbes stellt, als Demokratieprojekt, das Bildung gegen Antisemitismus setzt und Räume der Begegnung schafft, als Ausdruck jüdischen Lebens, das offen, plural und dialogbereit ist.
Das Projekt bildet den konzeptionellen Rahmen für eine Vielzahl begleitender Ausstellungen, Veranstaltungen und Bildungsformate. Es wurde in enger Zusammenarbeit mit der Jüdischen Kultusgemeinde Dresden entwickelt. Ein besonderer Dank gilt dem Kooperationspartner, dem Stadtmuseum Dresden. Sein Engagement macht sichtbar, was kulturelle Verantwortung heute bedeuten kann: gemeinsam erinnern, gemeinsam gestalten.
Das Projekt wird gefördert durch den Stadtbezirksbeirat Altstadt der Landeshauptstadt Dresden und durch die Christian C. D. Ludwig Foundation und unterstützt von der Technischen Universität Dresden. Es entsteht ein Projekt, das Brücken baut – zwischen Religion und Öffentlichkeit, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Menschen.
Ein Projekt der Jüdischen Kultusgemeinde Dresden
www.jkd-dresden.de
in Kooperation mit dem Stadtmuseum Dresden
gefördert durch den Stadtbezirksbeirat Altstadt der Landeshauptstadt Dresden
und der Christian C.D. Ludwig Foundation, unterstützt durch die Technische Universität Dresden
