Neue Filmreihe „Verdrängtes und gelebtes Gedächtnis – Jüdisches Leben im deutschen Film nach 1945“

Dana -
© Technische Sammlungen Dresden, Sophie Arlet
© Technische Sammlungen Dresden, Sophie Arlet

Mit einer retrospektiven Filmreihe und einem begleitenden Rahmenprogramm beteiligen sich der Museumskino Dresden e.V. und die Technischen Sammlungen in Kooperation mit dem Clubkino im Lingnerschloss am landesweiten TACHELES – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026. Auf der Suche nach Bildern über jüdisches Leben fokussiert die Reihe auf das wichtigste Kulturmedium des 20. Jahrhunderts – den Film.

Die Darstellung jüdischen Lebens und jüdischer Kultur im deutschen Nachkriegsfilm ist eine Geschichte von Abwesenheit und Schuldabwehr, von langsam einsetzender Aufarbeitung und schließlich von vielstimmiger Normalität. "Sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland hat der Spielfilm der öffentlichen Erinnerung an jüdische Kultur in Deutschland und an die Shoa enorm wichtige Impulse gegeben, sie sind aber auch aufschlussreiche Indikatoren für die geteilte Erinnerung der Nachkriegszeit.", sagt Museumsdirektor Roland Schwarz. Denn die Darstellung in Ost- und Westdeutschland nach 1945 verlief auf grundlegend unterschiedlichen Wegen und war geprägt von den jeweiligen politischen Systemen, Ideologien und Geschichtsnarrativen.

Retrospektive Filmreihe und begleitendes Rahmenprogramm

Am 19.3. startet die Reihe im Museumskino mit der Kleinen Filmakademie - einem filmisch illustrierten Vortrag, in dem das Thema in die politischen und ideologischen Kontexte der Zeit von 1945 bis in die Gegenwart eingeordnet wird. Anschließend läuft mit Ehe im Schatten (1946) von Kurt Maetzig der allererste deutsche Nachkriegsfilm, der den Holocaust direkt thematisiert hat. Die westdeutsche Perspektive wird mit Filmen wie Der Ruf (1949) und David (1979) (am 26.3. bzw. am 9.4. im Museumskino) genauso exemplarisch präsentiert wie der ostdeutsche Blick Konrad Wolfs in Sterne (1959) und von Horst Seemann in Levins Mühle (am 1.4. bzw. am 29.4. im Clubkino). Eine Begegnung mit jüdischer Kultur im Westen der Ukraine und damit sicher für viele auch eine Wiederbegegnung mit Herrn Zwilling und Frau Zuckermann bietet der gleichnamige Dokumentarfilm von Volker Koepp aus dem Jahr 1999 (7.5. im Museumskino). Außerdem entfaltet eine Auswahl aktueller Kurzfilme ganz persönliche, künstlerische und gesellschaftliche Annäherungen an Fragen von Erinnerung, Identität und Zugehörigkeit (22.4. im Clubkino).

Abgeschlossen wird die Reihe am 13.5. im Clubkino mit Alles auf Zucker (2004). Diese Komödie konfrontiert zwei völlig unterschiedliche jüdische Lebenswelten im modernen Deutschland und feiert dabei voller Witz und Herzlichkeit die Versöhnung von Tradition und Gegenwart, ohne die Wunden der Vergangenheit zu ignorieren. Dieser Abschluss könnte als selbstbewusste Vielstimmigkeit der Gegenwart gefeiert werden, ist aber vor dem Hintergrund eines aktuellen Antisemitismus nur ein vorläufiger Endpunkt der Reihe.

Alle Filme werden zeit- und filmhistorisch eingeführt, besonders verwiesen sei auf das Filmgespräch mit der Augsburger Historikerin Marita Krauss zum Film Der Ruf am 26.3., als auch das Filmgespräch zwischen dem Filmkritiker Andreas Körner und Dani Levy, dem Regisseur von Alles auf Zucker, am 13.5. Begleitet und gerahmt werden die Filmvorführungen im Clubkino von dem Musiker:innenduo Annet Otto und Gennadi Nepomnischi.

Die Filmreihe wird durch eine Förderung aus dem PS-Zweckertrag der Ostsächsischen Sparkasse Dresden unterstützt.

Über das Museumskino Ernemann VII B Technische Sammlungen Dresden

Seit über 20 Jahren entführt das Museumskino Ernemann VII B in den Technischen Sammlungen Dresden sein Publikum in vergangene Filmwelten. Kuratierte Reihen mit Vorträgen, Gespräche mit Filmschaffenden und ein tägliches Kinoprogramm machen das kleine Kino zu einem Treffpunkt für Cineasten. 35mm-Vorführungen werden mit den originalen ERNEMANN VII B-Kinoprojektoren aus dem eigenem Sammlungsbestand zum Laufen gebracht.

Eine Besonderheit sind die jährlichen Dresdner Stummfilmtage mit Livemusik. 2018 hat das Museumskino ERNEMANN VII B einen der drei Programmpreise der DEFA-Stiftung erhalten.

Mehr Infos: https://tsd.de/programm/veranstaltungen/museumskino-ernemann-vii-b

Über das Clubkino im Lingnerschloss

Das Clubkino ist ein charmantes Kino, das sich in einem der schönsten Gebäude Dresdens befindet – dem Lingnerschloss, hoch oben am Elbhang. Nach umfangreicher Restaurierung durch die Deutschen Werkstätten Hellerau wurde der historische Kinosaal im Februar 2014 wiedereröffnet und ist das einzige architektonische Zitat im Stil der 1950er Jahre, das in seiner Gesamtheit rekonstruiert werden konnte.

Seit 10 Jahren widmet sich das Clubkino der Pflege und Vermittlung des Dresdner Filmerbes. In der Reihe „KiKiLi – KinderKino im Lingnerschloss“ werden Filme aus dem ehemaligen DEFA-Studio für Trickfilme präsentiert. Zeitgenössische Animationsfilme und Kurzfilmprogramme bereichern das Programmangebot.

Mehr Infos: http://www.lingnerschloss.de

„Verdrängtes und gelebtes Gedächtnis – Jüdisches Leben im deutschen Film nach 1945“

Termine im Museumskino Technische Sammlungen Dresden:

  • 19. März 2026, 19.00 Uhr: „Kleine Filmakademie“ & „Ehe im Schatten“ (Vorführung in 35mm)
  • 26. März 2026, 19.30 Uhr: „Der Ruf“, anschließendes Filmgespräch mit der Historikerin Prof. Dr. Marita Krauss
  • 9. April 2026, 19.30 Uhr: „David“
  • 7. Mai 2026, 19.30 Uhr: „Herr Zwilling und Frau Zuckermann“

Termine im Clubkino im Lingnerschloss

  • 1. April 2026, 19.30 Uhr: „Sterne“
  • 22. April 2026, 19.30 Uhr: Kurzfilmabend mit Filmgästen
  • 29. April 2026, 19.30 Uhr: „Levins Mühle“
  • 13. Mai 2026, 19.30 Uhr: „Alles auf Zucker!“, anschließendes Filmgespräch mit Regisseur Dani Levy und Filmjournalist Andreas Körner

Kartenreservierung:
Eintritt 7€, kleine Filmakademie 3€

Museumskino:Online über den Veranstaltungskalender auf www.tsd.de oder telefonisch unter 0351 488 72 72 (Mo-Fr)
Clubkino: Via Mail an info@clubkino-dresden.de

Quelle: Technische Sammlungen Dresden