
Das Bauen mit vorgefertigten Tafeln – heute allgemein Plattenbau genannt – hat nicht nur die DDR stark geprägt. Auch in Westdeutschland gab und gibt es zahlreiche Bauten dieser Art. Unzählige Wohnungen entstanden vor allem in den 1960er bis 1980er Jahren in dieser Bauweise. Doch warum baute man so? Was waren die Vorteile, was die Nachteile? Was machte das Wohnen in der Platte aus und warum ist das Image der Bauten so schlecht? Heute brauchen wir wieder dringend viele neue Wohnungen. Es wird auf modulares, serielles Bauen gesetzt. Hat die Platte also eine Zukunft?
Etappen des Wohnungsbaus in Plattenbauweise von 1945 bis heute und Blick in die Zukunft
Die Ausstellung stellt die Entwicklung des Plattenbaus fokussiert auf den Wohnungsbau und im ständigen Vergleich von ost- und westdeutschen Entwicklungen vor. Sie zeigt, wann und warum die Idee des industriellen Wohnungsbaus aufkam, wie die dafür erforderlichen Strukturen entstanden und der Plattenbau sich in den folgenden Jahrzehnten bis heute weiterentwickelte. Es wird anhand verschiedener thematischer Vertiefungen, wie z. B. zu Wohnkomplex und Siedlungsbau, Wohnen, baugebundener Kunst, dem Image der Platte oder dem Umgang mit der Altstadt vorgestellt, wie auf Bedarfe und Entwicklungen reagiert wurde. Für die Zeit nach 1990 präsentiert die Ausstellung vielfältige Möglichkeiten, baulich und sozial verträglich mit bestehenden Siedlungen umzugehen und diese zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Abschließend gibt die Ausstellung einen Ausblick in die Zukunft.
Das Thema Plattenbau wird nicht rein bauhistorisch betrachtet, sondern bezieht konsequent immer wieder die Perspektive der Bewohnenden und Bauschaffenden mit ein. Dazu dienen unter anderem in Dresden-Prohlis und Köln-Chorweiler für die Ausstellung neu produzierte Interviews mit Bewohnenden. Aber auch die beteiligten Architektinnen und Architekten berichten in Videos von den Umständen des Bauens aus ihrer persönlichen Perspektive.
Ausstellung bietet verschiedene Zugänge zum Thema
Die Ausstellung möchte ein breites Publikum ansprechen und bietet daher verschiedene Zugänge zum Thema: Kinder und Familien können sich mithilfe eines eigenen Kinderhefts und zahlreicher Mitmachstationen dem Thema nähern. Für Blinde und Sehbehinderte wurden eine Audiospur und taktile Stationen erarbeitet. Einen spielerischen Zugang für Jung und Alt bietet das eigens für die Ausstellung von Sergej Hein entwickelte Videospiel Dresden Block Tetris, eine Umkehr von Innen und Außen bietet, die ebenfalls erstmals zu sehende Kunstinstallation "Plattenbau Vertigo" von Annett Zinsmeister irritiert die Sehgewohnheiten durch ihre Umkehr von Innen und Außen, Oben und Unten.
Die ca. 900 qm große Ausstellung stellt u. a. Beispiele aus folgenden Orten vor: Aschersleben, Berlin, Cottbus, Dortmund, Dresden, Erfurt, Gera, Halle/Saale, Hamburg, Hoyerswerda, Leipzig, Rostock, Saarbrücken, München, Neubrandenburg, Nordhausen, Plauen, Stendal, Stuttgart und Wolfsburg.
„Wir freuen uns außerordentlich, dass die vielseitigen Bedeutungshorizonte des Plattenbaus als Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftsthema nicht nur durch eine Vielzahl an Förderern gewürdigt werden, sondern auch durch Leihgaben. Unser multiperspektivisches und auf verschiedenen Ebenen aktivierendes Ausstellungskonzept konnte nicht nur diverse private Leihgeber:innen überzeugen, sondern auch überregionale Einrichtungen wie u. a. das Werkbundarchiv – Museum der Dinge in Berlin, die Stiftung Bauhaus Dessau, das Stadtmuseum Halle, das Hamburgische Architekturarchiv und das Schloss & Stadtmuseum Hoyerswerda.
Die Ausstellung erfüllt unsere in den letzten Jahren erarbeiteten Leitbildziele in besonderem Maße. Am Thema Plattenbau zeigt sie, dass Stadtgeschichte immer auch nationale und internationale Bezüge aufweist und dass sich eine zeitgemäße Museumsarbeit durch Zusammenarbeit, Interdisziplinarität und Nachhaltigkeit auszeichnet.“, so Dr. Christina Ludwig, Direktorin des Stadtmuseums.
„Mit PLATTE OST/WEST greift das Stadtmuseum Dresden eine gesamtdeutsche Perspektive auf das Bauen und Wohnen in Großwohnsiedlungen in industrieller Bauweise auf und richtet den Blick auf Generationen von Menschen, die als Bauleute wie als Bewohnerinnen und Bewohner diese Stadtteile geprägt und gestaltet haben. Die Zusammenführung von Sozialpolitik und Architekturgeschichte mit einem partizipativen wie kollaborativen Ansatz ist das Verdienst der Ausstellungsmacherinnen.“, sagt Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch.
Die Ausstellung wird nach der Präsentation in Dresden in Teilen weiterwandern und 2027 im Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte und 2028 im Baukunstarchiv NRW zu sehen sein.
Die Ausstellung kann vom 28. Februar bis zum 29. November 2026 zu den Öffnungszeiten des Stadtmuseum Dresden besichtigt werden.
https://stadtmuseum-dresden.de/


