High-Protein-Produkte: Brauchen wir das wirklich?

18.03.2026 Verbraucherzentrale Sachsen e. V.
Bild von Sandie Barbot auf Pixabay
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Von Joghurt bis Eis am Stiel: Ein Blick hinter den Eiweiß-Hype

Eiweißreiche Produkte sind längst nicht mehr nur etwas für Sportler*innen. „High Protein“ steht heute auf immer mehr Lebensmitteln im Supermarkt. Doch hinter dem Trend steckt oft weniger als erwartet: Viele Produkte liefern nicht mehr Eiweiß als normale Alternativen und sind für den Alltag eher überflüssig.

Vom Fitnessstudio in den Alltag: Der Protein-Boom

Das Angebot reicht von Käse, Proteindrinks und Eiweißbroten über Linsen-Nudeln und Edamame-Snacks bis hin zu Fertiggerichten und sogar Eis am Stiel. Besonders im Frühling, wenn viele Menschen nach der Winterpause wieder aktiver werden, boomt der Markt. „Protein-Werbung verleiht Produkten schnell ein gesundes, fitnesstaugliches Image“, sagt Verena Müller von der Verbraucherzentrale Sachsen. „Dabei enthalten viele dieser Produkte gar nicht außergewöhnlich viel Eiweiß.“

Ein Beispiel ist sogenannter „Protein-Käse“. Käse enthält von Natur aus bereits viel Eiweiß. Der Zusatz „Protein“ auf der Verpackung lässt ihn jedoch besonders gesund erscheinen – obwohl er oft nicht mehr Eiweiß enthält als vergleichbare Käsesorten.

Ähnlich verhält es sich mit Edamame-Snacks oder Kichererbsen-Produkten, die mit Protein-Claims werben – obwohl Hülsenfrüchte von Natur aus proteinreich sind. Mitunter setzen Hersteller dazu ein Sternchen mit dem Hinweis „von Natur aus proteinreich“ auf die Verpackung.

Was „Proteinquelle“ und „High Protein“ bedeuten

Grundsätzlich dürfen Lebensmittel nur dann als „Proteinquelle“ oder „High Protein“ beworben werden, wenn sie bestimmte gesetzliche Vorgaben erfüllen:

  • „Proteinquelle“: Mindestens 12 % des Energiegehalts stammen aus Eiweiß
  • „High Protein“ bzw. „reich an Protein“: Mindestens 20 % des Energiegehalts stammen aus Eiweiß

Proteineis – wirklich besser?

Gerade vor dem Sommer erscheinen wieder viele High-Protein-Eissorten in den Kühlregalen. Sie enthalten tatsächlich oft etwas mehr Eiweiß und weniger Zucker oder Fett als klassisches Eis. Damit Geschmack und Konsistenz stimmen, kommen jedoch häufig Süßungsmittel und Bindemittel zum Einsatz.

Ernährungsphysiologisch bringt das meist wenig Vorteile. „Außerdem essen die meisten Menschen Eis nur gelegentlich – es trägt daher ohnehin kaum zur täglichen Eiweißversorgung bei“, so Verena Müller.

Gute Eiweißquellen gibt es ganz ohne Trendprodukte

Für den täglichen Eiweißbedarf sind spezielle Proteinprodukte nicht nötig. Viele ganz normale Lebensmittel liefern reichlich Eiweiß – zum Beispiel Linsen, Kichererbsen, schwarze Bohnen, Edamame, Tofu, Tempeh oder Lupinenkerne.

Kombiniert man sie mit Getreide wie Vollkornbrot, Haferflocken oder Quinoa, entsteht eine hochwertige Aminosäurezusammensetzung, die mit tierischem Eiweiß vergleichbar oder sogar überlegen ist.

Auch wer Fleisch, Fisch, Eier oder Milchprodukte isst, deckt seinen Eiweißbedarf mit einer normalen, ausgewogenen Ernährung problemlos. 

Quelle: Verbraucherzentrale Sachsen e.V.