Wie wird aus genormtem Wohnraum ein privater Lebensraum? Dieser Frage widmet sich die neue Doppelausstellung genormt, geformt, bewohnt. in der Werkstättengalerie der Deutschen Werkstätten. Vom 4. Juni bis 6. August 2026 bringt die Schau zwei Perspektiven zusammen: das Fotoprojekt PLATTENBAU PRIVAT von Susanne Hopf und Natalja Meier und Hellerauer Montagemöbel aus der Kombinatszeit der Deutschen Werkstätten.
Wenn Norm auf Eigensinn trifft
Die Ausstellung erzählt von zwei Polen. Auf der einen Seite stehen die gestalterischen Wohnideale der DDR-Moderne, in denen Funktionalität, Klarheit und modulare Systeme eine zentrale Rolle spielten. Auf der anderen Seite zeigen die Fotografien von Hopf und Meier sehr persönliche Wohnwelten, die Jahrzehnte später in den Plattenbauten entstanden sind. In der Zusammenschau eröffnet sich ein Spannungsfeld zwischen individuellem Wohntraum und streng durchdachtem Systemmöbel.
Modulare Möbel für ein neues Wohnen
Ein Teil der Ausstellung widmet sich den modularen Systemmöbeln der Deutschen Werkstätten. Seit den ausgehenden 1960er Jahren sollten in der DDR nicht nur neue Wohnbauten wie der Experimentalbau P2 den Wohnbedarf decken und neue ästhetische Maßstäbe setzen. Auch das Innere der Wohnungen sollte diesem Anspruch folgen. Gefragt waren variable Möbel für unterschiedliche Bedürfnisse, gestalterisch anspruchsvoll und zugleich erschwinglich. Entwerfer wie Rudolf Horn und Siegfried Hausdorf setzten mit ihren Systemen neue Maßstäbe. Die Deutschen Werkstätten waren dabei Partner im Entwicklungsprozess und später Produzent.
In der Ausstellung sind zwei Varianten des Montagemöbels Deutsche Werkstätten (MDW) von Rudolf Horn sowie das Modell 150 von Siegfried Hausdorf zu sehen. Die Objekte werden vom Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden als Leihgaben zur Verfügung gestellt.
PLATTENBAU PRIVAT: private Wohnwelten als Zeitdokument
Der zweite Ausstellungsteil zeigt das Fotoprojekt PLATTENBAU PRIVAT. Susanne Hopf und Natalja Meier fotografierten 2002 insgesamt 60 Wohnzimmer im experimentellen Hochhausbautyp P2. Aus dem Projekt entstand 2004 das gleichnamige Buch, später auch ein Ausstellungsprojekt. Die Fotografien sind ein außergewöhnliches Zeitdokument. Sie zeigen, wie stark die Räume über die Jahre durch persönliche Vorlieben, Erinnerungsstücke, Möbelbiografien und Alltagspraktiken geprägt wurden.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9.00 bis 16.00 Uhr, nicht an Feier- und Brückentagen
Ausstellungsort: Deutsche Werkstätten, Moritzburger Weg 68, 01109 Dresden