Freitag, 8. Mai, 19 Uhr im Emanuel-Goldberg-Saal, Technische Sammlungen Dresden
Anlässlich des 90. Geburtstags des Kameramanns, Regisseurs und Sammlers Ernst Hirsch widmen die Museen der Stadt Dresden - Technischen Sammlungen seinem Lebenswerk die umfassende Sonderausstellung „UNIVERSUM Dresden. Der Filmemacher und Filmsammler Ernst Hirsch“. Im Jahr 2025 hatte Ernst Hirsch seine umfangreiche Film- und Gerätesammlung an die Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) und die Museen der Landeshauptstadt Dresden übergeben, um das kulturelle Erbe für die Öffentlichkeit, für Forschung und Vermittlung an nachfolgende Generationen zu sichern.
Gefördert von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, und der Volker-Homann-Stiftung.
Chronist und Bewahrer des Mediums Film
Ernst Hirsch hat das visuelle Gedächtnis der Stadt Dresden geprägt wie kaum ein anderer. 1936 in Dresden geboren, trug er über mehr als sieben Jahrzehnte hinweg einen einzigartigen Schatz an Dokumentarfilmen zusammen – Amateur- und Werbefilme der 1920er und 1930er Jahre sowie Nachrichten- und Dokumentarfilme, die er seit 1952 selbst gedreht hat. Immer stand Dresden im Fokus, die Stadt und ihre historischen Bauten, Zerstörung 1945 und Wiederaufbau, Kunst und Musik und vor allem der Alltag der Menschen auf den Straßen und in den privaten Räumen des Dresdner Bürgertums.
Die Ausstellung gewährt einen facettenreichen Einblick in das alte und das neue Dresden über mehr als ein ganzes Jahrhundert. Zum ersten Mal werden die bewegenden Filmaufnahmen von Gesprächen mit aus Dresden stammenden Jüdinnen und Juden gezeigt, die Ernst Hirsch 1997 in Israel führte. In kurzen Videos stellt Ernst Hirsch zudem die besonderen Schätze seiner Kamerasammlung vor. Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) erläutert, was seit der Übernahme der Filmsammlung von Ernst Hirsch vor eineinhalb Jahren geschieht, um die mehr als 400 Rollen zu digitalisieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
„Ernst Hirsch hat mit seiner Themensetzung mittels Kamera ein einzigartiges visuelles Gedächtnis Dresdens im Film geschaffen. Seine Filme zeigen nicht nur bedeutende Ereignisse unserer Stadtgeschichte, sondern vor allem den Alltag der Menschen – jene Alltagsgeschichte, für die es oft nur wenige so eindrückliche Quellen gibt. Diese Ausstellung lädt dazu ein, Dresden neu zu entdecken und sich in einer Zeitreise mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Ich möchte an dieser Stelle ein weiteres Mal Ernst Hirsch für die großzügige Überlassung seiner Sammlung an die Landeshauptstadt Dresden im Verbund mit der SLUB danken. Ebenso gilt mein Dank der SLUB und dem Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. sowie dem SMKT, die im Rahmen des Landesprogramms „SAVE“ die Digitalisierung der Sammlung, Bewahrung und Forschung ermöglichen“, sagt Annekatrin Klepsch, Bürgermeisterin für Kultur, Wissenschaft und Tourismus der Landeshauptstadt Dresden.
Persönliche Leidenschaft für Filmtechnik
Als ehemaliger Lehrling des Dresdner Kameraherstellers Zeiss Ikon galt Ernst Hirschs Leidenschaft immer auch der Filmtechnik. Bereits im Laienfilmklub sowie später als professioneller Kameramann versuchte er, mit der Entwicklung der Technik Schritt zu halten, und erwarb, wann immer sich die Möglichkeit bot, neuere und leistungsfähigere Filmkameras. Aber auch der Blick zurück auf die frühen Dresdner Erfindungen am Beginn des Filmzeitalters faszinierten ihn und ließen seine Techniksammlung wachsen. Für die Ausstellung hat Ernst Hirsch die Geschichten seiner Kameras und seiner wichtigsten Filmfunde noch einmal erzählt.
Ernst Hirsch über seine persönliche Entwicklung und seine Verbundenheit zu Dresdner Kameratechnik: „Ich bin als 14-jähriger Lehrling voller Ehrfurcht über das Malteserkreuz* geschritten, die Ausbildung bei PENTACON bildete die Grundlage meiner beruflichen Entwicklung. Die Technischen Sammlungen sind für mich fast schon ein heiliger Ort, und dass hier nun meine Filme und Filmkameras ausgestellt werden, empfinde ich als Vollendung meines Lebenswerks.“
*Das Malteserkreuz war das damalige Logo der Ernemann AG, die später in die Zeiss Ikon AG überging, bei der Ernst Hirsch seine Ausbildung absolvierte. Das Symbol ziert noch heute den Originalfußboden der ehemaligen Direktionsräume, die zu Zeiss Ikon-Zeiten weiterhin von der Belegschaft genutzt wurden. Technisch handelt es sich beim Malteserkreuz um ein wichtiges mechanisches Bauteil, das in klassischen Filmprojektoren eingesetzt wurde, um die perforierte Filmrolle Bild für Bild weiterzubewegen.
Die Sonderausstellung als Hommage an einen außergewöhnlichen Filmemacher und Sammler
An mehr als 20 Filmstationen können die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung erleben, wie wertvoll der Film als historische Quelle ist. Sie können eine Straßenbahn durch das Dresden der 1920er Jahre steuern und dabei zahlreiche Alltagsszenen beobachten. Sie entdecken die offizielle Kunstwelt und die inoffizielle Kunstszene der DDR, denn in beiden war Ernst Hirsch mit der Kamera unterwegs. Und sie können sehen, wie er in den Jahren nach der Deutschen Einheit zu einem Star der Dresdner Öffentlichkeit wurde, mit den Filmen aus dem Alten Dresden ebenso wie mit seiner ansteckend optimistischen Langzeitdokumentation über den Wiederaufbau der Frauenkirche.
„Die Ausstellung verbindet die Dresdner Stadt- mit der Filmgeschichte. Es war uns wichtig, nachvollziehbar zu machen, dass sich in dem Jahrhundert, in dem die Filme der Sammlung Hirsch entstanden sind, nicht nur Gebäude, Verkehrsmittel und das Verhalten der Menschen in der Stadt verändert haben, sondern auch die Perspektiven von Filmemachern und ihren Auftraggebern. Nicht zuletzt haben auch die Kameras immer darüber mitentschieden, was und wie es gefilmt werden konnte“, erläutert Roland Schwarz, Direktor der Technischen Sammlungen.
„Wir freuen uns, gemeinsam mit der Ostsächsischen Sparkasse Dresden die Sonderausstellung „UNIVERSUM Dresden“ anlässlich des 90. Geburtstages von Ernst Hirsch unterstützen zu können. Mit der Präsentation dieser einzigartigen Filmsammlung wird das Lebenswerk eines prägenden Dokumentarfilmers der DDR sichtbar gemacht. Zugleich bekommt dadurch ein breites Publikum die Möglichkeit, über das Medium Film auch die Dresdner Stadtgeschichte des 20. Jahrhunderts nacherleben zu können. Mit ihrer gemeinsamen Förderung würdigen die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Ostsächsische Sparkasse Dresden diesen wichtigen Beitrag zur regionalen Erinnerungskultur“, so Patricia Werner, Geschäftsführerin der Ostdeutschen Sparkassenstiftung.
Die Kooperation mit der SLUB Dresden und dem Landesprogramm »SAVE – Sicherung des audio-visuellen Erbes in Sachsen« sowie dem Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde
Die Übernahme von Ernst Hirschs wertvollen Film- und Gerätesammlungen durch die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek und die Technischen Sammlungen im Jahr 2025 sichert den Erhalt dieses kulturellen Erbes für die Öffentlichkeit.
Die Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus Barbara Klepsch betont: „Wenn wir über Ernst Hirsch sprechen, sprechen wir über das „Auge Dresdens“. Wir blicken nicht nur auf die Bilder einer Stadt, sondern in die filmische Seele unserer Heimat. Über Jahrzehnte hinweg hat er mit unermüdlicher Leidenschaft Momente festgehalten, die längst verblasst wären. Seine Sammlung ist weit mehr als ein privates Archiv; sie ist ein nationales Kulturgut von unschätzbarem Wert für Sachsen. Ich danke Ernst Hirsch für sein unermüdliches Schaffen und sein Lebenswerk. Der SLUB und den Technischen Sammlungen danke ich, dass sie diesen einzigartigen Schatz zugänglich machen und uns insbesondere durch diese Ausstellung einen umfassenden, besonderen Einblick in die Geschichte Dresdens als Landeshauptstadt des Freistaates ermöglichen.“
Für die Ausstellung hat die SLUB Dresden zahlreiche Filme aus der Sammlung Ernst Hirsch zur Verfügung gestellt und diese zum Teil eigens dafür digitalisiert.
Generaldirektorin der SLUB Dresden Katrin Stump erklärt: „Die Ausstellung würdigt Ernst Hirschs herausragende Leistungen als Filmsammler und Filmemacher in beeindruckender Weise. Bereits ein Jahr nach der Sammlungsübernahme können wir einen Teil dieses Schatzes der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Nachdem wir schon in der Pilotphase des Landesprogrammes SAVE mehr als 50 Filmrollen digital zugänglich machen konnten, erschließen und digitalisieren wir nun die gesamte Filmsammlung. Die Öffentlichkeit darf sich also auf weitere Hirsch-Highlights freuen.“
Das Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde unterstützte das Ausstellungsprojekt durch wissenschaftliche Beratung und lieferte dabei fachliche Anregungen für die inhaltliche Konzeption.
Laufzeit der Ausstellung: 9. Mai bis 25. Oktober 2026
Alle Informationen dazu unter www.tsd.de


